Bauen im Bestand und DenkmalpflegeUmnutzung und Sanierung Grabeskirche St. Josef, Aachen
Die erste Grabeskirche ihrer Art versucht der Urnenbestattung eine genuine Form zu geben, die ein kulturell ebenbürtiges Pendant zur klassischen Erdbestattung bildet.
Planungsbeginn
10/2004
Baubeginn
04/2005
Fertigstellung
10/2006
Details

Seit 1894 ist der neugotische Kirchenbau religiöser Mittelpunkt für viele Menschen im Ostviertel Aachens und bildet einen markanten Blickpunkt in der Silhouette der Stadt. Im Jahre 2005 schlossen sich die beiden Gemeinden St. Josef und Fronleichnam zusammen und gaben der Kirche die neue Bestimmung als Urnenbeisetzungsstätte. Am 1. November 2006 wurde die ehemalige Pfarrkirche St. Josef als Grabeskirche neu eröffnet. Der Sakralbau zeichnet sich als neogotischer Sakralbau durch ungewöhnlich harmonische Raumproportionen sowie eine bis ins Detail sehr hochwertige bauliche Umsetzung aus. Die sehr ausdrucksstarken Fenster von Prof. Ludwig Schaffrath prägen den Raum und entsprechen in ihrer kontemplativen, nichtfigürlichen Konzeption in besonderer Weise der neuen Nutzung. Diese basiert auf drei wesentlichen Elementen: Den schlanken Grabstelen aus glatt geschaltem Beton in den Jochachsen der Seitenschiffe, welche die würfelförmigen Urnen aus poliertem Naturstein aufnehmen, einem Wasserlauf in der Wegeachse des Mittelschiffes und einer schiffsartigen Skulptur im Gewölbe des Mittelschiffes. Alle drei Elemente sind Hinzufügungen, die die bestehende Gebäudesubstanz im Wesentlichen unverändert lassen. Der unerwartet hohen Nachfrage folgend, ist das Gesamtkonzept mittlerweile vollständig umgesetzt: Eine regelmäßige Streuung von Punktstelen mit Doppelgräbern füllt die Joche der Seitenschiffe, als auch die seitlich des Mittelganges gelegenen Bereiche des Hauptschiffes.

Im Januar 2008 wurden im Zuge umfangreicher Untersuchungen erhebliche Schäden festgestellt. Einige Jahre freie Bewitterung der Gewölbe in Folge von Kriegsschäden und eine Sanierung mit untereinander unverträglichen Materialien hatten die Gewölbe massiv geschädigt. Nach Sondierungen und Laborprüfungen wurde in Zusammenarbeit mit Statikern und Spezialfirmen ein Sanierungskonzept erarbeitet: Die oberseitige Zementschale wurde abgetragen und das lose Bimsmaterial entfernt. Alle Gewölbeoberflächen wurden mittels Ultraschall untersucht und eine genaue Kartierung des Schadensgrades vorgenommen. Zur Verfestigung wurden die Gewölbekappen mit Lösungen getränkt. Art und Dosierung der Tränkung wurden genau auf den jeweiligen Beschädigungsgrad des Bimssteins abgestimmt. Nach Aushärtung wurde oberseitig ein Bimsputz aufgebracht, um den erforderlichen Gewölbequerschnitt wieder zu erreichen. Im Zuge der Arbeiten wurden auch die salzbelastete Bereiche des raumseitigen Putzes untersucht und saniert. Die Arbeiten wurden in mehreren Bauabschnitten und im laufenden Betrieb durchgeführt.

Die Dachlandschaft der Kirche St. Josef ist wegen der exponierten städtebaulichen Lage von weit her zu sehen. Das steile Dach mit zahlreichen Giebeln und Aufbauten trägt zur imposanten Erscheinung des Baues wesentlich bei. Nach der vollständigen Zerstörung des Dachstuhls im 2. Weltkrieg hatte die Kirche St. Josef 1949 einen neuen Notdachstuhl aus einer filigranen Stahlkonstruktion mit Ziegeleindeckung erhalten. Bei der Generalsanierung in den 70er Jahren wurde das Deckmaterial durch eine Holzschalung mit Bitumenschindeln ersetzt. Diese waren nach mehr als 40 Jahren porös und brüchig, zahlreiche undichte Stellen führten immer wieder zu Wasserschäden an Gewölben und Holzteilen. Um die gerade sanierten Gewölbe vor erneuter Schädigung durch eindringendes Wasser zu schützen, musste auch die Dacheindeckung erneuert werden. Die begrenzte Belastbarkeit der filigranen Dachkonstruktion aus Stahl ließ nur ein leichtes Deckungsmaterial zu. Wegen der höheren Lebensdauer entschied sich der Bauherr für den Einbau von leichten anthrazitfarbenen Metallschindeln, sodass sich optisch das Bild eines Schieferdaches ergibt.

BauherrKatholische Kirchengemeinden St. Josef und FronleichnamOrtAachenLeistungsphasenLPH 1-9NGF4.100 m2BGF4.800 m2BRI15.100 m3AwardsBDA-Preis NRW 2007,BDA-Preis Aachen 2007
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