Fassadensanierung
Turmsanierung
Innenraum
Betonschäden
Betonuntersuchung
Betonuntersuchung
Betonschäden
Betonsanierung
Fassadensanierung
Bestandsfenster
korridierte Bestandsfenster
Neue Fenster nach ursprünglichem Erscheinungsbild

602 St. Fronleichnam Fassadensanierung

Fassadensanierung St. Fronleichnam

BAUGESCHICHTE, BESTANDSSITUATION

Die Kirche St. Fronleichnam im Aachener Ostviertel wurde 1929-1930 erbaut und ist der erste und einer der bedeutendsten Kirchenbauten des Architekten Rudolf Schwarz. Sie gilt in der Fachwelt als eine Ikone des „Neuen Bauens“ und als bauliches Manifest von Schwarz Auffassung zum Kirchenbau. Der Baukomplex der Kirche besteht aus einem großen, weißen, schmucklosen Kubus, einem hohen, freistehenden Glockenturm und einem niedrigen Seitenschiff, das als verbindendes Element zwischen beiden fungiert. Auch im Innern ist die klare kubische Form konsequent entwickelt. Der weiße, lichtdurchflutete Raum ist schmucklos, seine erhebende Raumwirkung resultiert aus der Proportionierung aller Bauteile bis in die kleinste Ausstattung. Die hoch liegenden, von Ludwig Schaffrath entworfenen Fenster aus farblosem Ornamentglas tauchen den Raum in ein magisches Licht und unterstützen die asketische Wirkung. Das Bauwerk ist eines der ersten konsequenten Stahlbetonskelettbauten. Das Stahlbetonskelett ist außen mit einer halbsteinigen Bimsschale, die im Bauprozess als verlorene Schalung diente, verkleidet. Die Ausfachungen zwischen den Stützen sind ebenfalls aus Bimsstein gemauert. Die Verwendung dieser zwei sehr unterschiedlichen Baustoffe, gepaart mit mangelnder Erfahrung in der Verarbeitung von Stahlbeton ist eine Ursache für die heute zu Tage tretenden Rissschäden.

SCHADENSBILDER UND MASSNAHMENKONZEPT

Fassade

In 2014 führten Putzrisse und Abplatzungen an der Südwestfassade zu einer ersten Bestandsaufnahme der (sichtbaren) Schäden. Durch Freilegungen und Untersuchungen mittels zerstörungsfreier Methoden (Ultraschall, Georadar, Potentialfeldmessung) zeigte sich ein komplexes Schadensbild im gesamten Wandgefüge:

  • Ober- und Unterputz sind zu hart für den weichen Putzgrund des Bimsmauerwerks. Dies hat zu einer Ablösung des Putzes, zu Rissen und Schädigung der Bimsoberfläche geführt.
  • Der Bimsstein ist teils entfestigt (Verlust des Bindemittels) und als Putzuntergrund nicht (mehr) geeignet.
  • Das Betonskelett ist insbesondere im Überzug über dem Seitenschiff und an den Knotenpunkten von Stützen und Riegeln zum Teil stark angegriffen. Die Bewehrungseisen haben keinerlei Überdeckung und sind korrodiert. Der Beton ist in diesen Bereichen sehr grobkörnig (entmischt).


Folgende Maßnahmen wurden durchgeführt: Nach Einrüstung der Südwestfassade wurde der gesamte Ober- und Unterputz auf schonende Weise entfernt, um das darunterliegende Bimsmauerwerk nicht zu beschädigen. Das Betonskelett wurde zunächst an den Knotenpunkten freigelegt. Je nach Zustand von Beton und Bewehrung wurden die angrenzenden Bereiche des Betonskeletts sukzessive bis zum gesunden Beton freigelegt. Die korrodierten Eisen wurden entrostet. Im Anschluss wurde mit einem Spezialbeton, der in seinen Eigenschaften auf den vorhandenen Beton abgestimmt ist, die notwendige Betonüberdeckung der Eisen wiederhergestellt (Betonsanierung). Das Bimsmauerwerk wurde mit Kieselsäureester in gestufter Konzentration gefestigt, um eine Grundfestigkeit der Oberfläche des Bimses als Putzuntergrund zu erreichen. Im Bereich des Betonskeletts wurde mit Funktionsputz mit ähnlichen Eigenschaften wie der Bims bis auf die Ebene der Bimsausfachungen aufgefüllt. Über die gesamte Fassade wurde in zwei Lagen ein hydrophiles Putzsystem als sog. Funktionsputz mit hoher Porigkeit aufgebracht. Der Unterputz kann über den Porenraum Wasser aufnehmen und abgeben (hohe Saugspannung); der Oberputz ist wasserhemmend und in Fassadenfarbe durchgefärbt. Der Putz erhält eine Armierungseinlage. Anschließend wurde ein hydrophiler Deckanstrich aus Solsilikat aufgebracht.

Glockenturm

Es wurde der Zustand der Fassaden untersucht und das Schwingungsverhalten des Turmes gemessen mit folgenden Ergebnissen:

  • Die Putzstruktur ist im Wesentlichen in Ordnung. Der Anstrich muss dringend erneuert werden, um weiterführende Schäden wie an der Südwestfassade zu verhindern.
  • Schwingungsmessungen im Glockenturm haben ergeben, dass der Turm während der Läutephasen zu stark in Schwingung gerät. Riss- und Gefügeschäden am Turmmauerwerk sind die Folge.

Maßnahmen: Der Glockenturm erhielt nach Entfernung loser Farbschichten und Ausbesserungen im Putz einen neuen Anstrich. Rissschäden aus dem Schwingungsverhalten des Turmes wurden behoben. Zur Reduktion des Schwingungsverhaltens des Turmes wurde eine Gegenpendelanlage eingebaut.

Fenster Pfarrsaal

Die originalen, bauzeitlichen Stahlfenster im Pfarrsaal und dem angrenzenden Vorbereich im Untergeschoss sind stark korrodiert und vor allem im Sockelbereich zum Teil vollständig durchgerostet. Die Fenster wurden durch Stahlfenster gleicher Profilbreiten mit Isolierverglasung (als Strukturglas) ersetzt. Die Öffnungsflügel sind künftig motorisch zu öffnen.

Projektdaten

Bauherr Kath. Kirchengemeinde St. Josef und Fronleichnam
Leistungsumfang Objektplanung LPH 3-8 HOAI
Projektdaten Planungsbeginn 2014
Baubeginn 2016
Fertigstellung 2019