9008-St. Hedwig Kathedrale, Berlin

St. Hedwigs-Kathedrale Berlin

Die St Hedwigs Kathedrale ist eine in sich stimmige Architektur, deren Grundaussage wieder stärker herausgearbeitet und in den Dienst der heutigen Auffassung einer Kathedralkirche gestellt werden soll. Die heute gegebene Verbindung der Oberkirche zur Unterkirche hat sich in liturgischer Hinsicht in der Praxis nicht bewährt, weshalb an dieser Stelle ein klärender Eingriff notwendig ist. Um die sehr dezidierte baukünstlerische Aussage von Schwippert nicht durch Teilveränderungen zu verfälschen, ist in diesem Punkt eine klare Position zu finden. Die konstruktiven Reserven der Zwischendecke bieten keine Spielräume, um die in Größe und Form überdimensionierte Deckenöffnung zu korrigieren. Deshalb ist es unumgänglich den Zentrumsbereich des Dominneren gestalterisch wie baulich von Grund auf neu zu entwickeln.

Konzept:

Die primären Orte der Liturgie, der Andacht und des Gedenkens sollen weiterhin von einem signifikanten Punkt des Hauses auf der prägenden Längsachse erlebbar sein. Dies inhaltlich und gestalterisch im Sinne Schwipperts aber im Geist der heutigen Liturgie über beide Ebenen miteinander zu verknüpfen bedarf eines sensiblen aber dezidierten Eingriffes. Ein signifikantes bauliches Element wird als unabhängiges plastisches Objekt in das konservatorisch / restauratorisch aufzuarbeitende historischen Gebäude eingefügt. Als ein skulptural durchgestaltetes Bauelement aus hochwertigem Marmorbeton, lesbar als Intervention unserer Zeit, gestaltet und definiert es den Bezug zwischen Ober – und Unterkirche neu. Weitere sekundäre Hinzufügungen zur räumlichen Definition liturgischer Orte sind als geometrisch reduzierte, möbelartige Filigranstrukturen aus Metall oder Glas frei in den Raum gestellt. Die Schlichtheit dieser Elemente soll primär den historischen Raum wirken lassen.

Intervention:

Der tiefgreifende, aber klärende Eingriff zur Neufassung der Verbindung zwischen Unterkirche und Oberkirche erfolgt über den Rückbau der Zwischendecke bis auf den ringförmigen historischen Kapellenkranz des Untergeschosses. In den so modifizierten Sockel wird, lesbar durch eine Fuge abgesetzt, das plastisch gestaltete Formelement eingefügt. Zusätzlich wird in diesen massiven Sockelring eine Apsis förmige Raumerweiterung eingeschnitten, um einen neuen, privilegierten Ort des Gedenkens unter dem Hauptaltar zu schaffen. Vier Säulen tragen die Decke. Sie rahmen das Grab des seligen Bernhard Lichtenberg und geben dem Hauptaltar die schon durch Schwippert thematisierte Erdung. Aus dem in der Untersicht durch eine Stufung geformten Bauteile falten sich zwei Wandscheiben auf, die sich mit dem Treppenblock zu einer homogenen Skulptur aus Sichtbeton verbinden. Diese legt sich auf sechs kegelförmigen Stützen auf. Das Deckenprofil hebt sich zu einer runden Deckenöffnung in der Raummitte. Nach außen hebt es sich zum umschließenden Kapellenkranz. Der sandsteinfarbige Beton reflektiert durch seine kristalline Struktur das auftreffende Licht, da er mit Marmor als Zuschlagsstoff versetzt ist. Durch die sensible Oberflächenausbildung erhält das Material seine besondere Wertigkeit. In den Bodenoberflächen beider Ebenen terrazzoartig geschliffen, als Deckenuntersicht der Unterkirche grob gestockt, setzt sich der Marmorbeton über seine authentische Materialität von den Putzoberflächen der historischen Substanz ab. Die Oberflächen der Wände, des strukturierten Gewölbes, der Wandflächen, der Säulen sowie des Gesimskranzes werden homogen in einem warmen, ebenfalls mit Marmor versetzten Weißton gefasst.

Projektdaten

Wettbewerb 2014