529-Umgestaltung Sankt Bartholomäus, Köln-Ehrenfeld

Umgestaltung Sankt Bartholomäus, Köln

Die ehemalige Pfarrkirche St. Bartholomäus wird im Sinne ihrer künftigen Bestimmung neben der liturgischen Nutzung auch ein Ort der Beisetzung und des Totengedenkens sein. Ihre Architektur und auch ihr Umfeld wird dazu durch lesbar eingefügte bauliche Ergänzungen weiterentwickelt. Die dem Prinzip des HAUS IM HAUS folgende neue Fassung der liturgischen Mitte als eine Kapelle prägt die neue Gestalt. Sie soll die neue Identität des Ortes kraftvoll als einen eigenständigen Typus definieren, ohne die genuine Struktur des Hauses mehr als notwendig zu verändern. Die Eingriffe reduzieren sich auf wenige, aber städtebaulich wie architektonisch sehr dezidierte Interventionen.

Konzept Kapelle: Ort der Exequien
In den Hallenraum wird, zur Rhythmik der Jochstruktur versetzt, eine filigrane Stahlstruktur eingestellt, die als autonome Architektur nun die liturgische Mitte aufnimmt: acht Stützen tragen ähnlich einem Tisch eine zusätzliche Ebene, die seitlich durch die großen Glasbilder von Giselbert Hoke als festlicher Kapellenraum gefasst wird. In die Deckenscheibe der Kapelle wird ein runder Okulus geschnitten, der die liturgische Mitte, den in seiner Größe reduzierten Altar, durch zenitales Licht betont. Der Tabernakel steht an der Stirnwand des Raumes. Die vorhandenen Bänke fassen den festlichen Einzug zum Seelenamt, der dann von einem neuen, angehobenen Vorplatz aus über ein neu geschaffenes Portal auf Raumachse erfolgt. Durch das Anheben des Ortes der Exequien wird die gesamte Fläche auf der Erdgeschossebene frei, sodass diese künftig für das Kolumbarium zur Verfügung steht. An Stelle der Hokefenster werden nun in beide seitlichen Fenstermembranen satinierte Gläser eingesetzt, um den Raum von beiden Seiten mit hellem Tageslicht zu durchfluten, das entlang den hellen Urnenwände bis in die Mitte des Kolumbariums gelangt.

Konzept Kolumbarium: Ort der Aussegnung
Die große offene Fläche des bisherigen Sakralraumes wird durch eine Abfolge von wand-ähnlichen Strukturen in Rhythmik der Joche gegliedert. Die in Querrichtung verlaufenden Urnenwände sind so positioniert, dass sich entlang der Gebäudemittelachse ein länglicher, sich zur Mitte hin weitender Raum bildet. Man betritt das Kolumbarium über das neue, mittig angeordnete Portal. Der mandorlaförmige Raum öffnet er sich gegenüber zum Licht. Die Stirnflächen der Urnenwände werden vom Boden angeleuchtet. Im Zentrum dieses festlichen Raumes steht der Taufstein, der den Bezug von Tod und Taufe verbildlicht. An der Außenseite des Wandensembles bildet sich ein geschwungener Umgang, der den Kreuzweg mit 14 Stationen angemessen in den Raum einzeichnet . In den vier Eckpunkten des Raumes bilden sich Orte des stillen Verweilens. In Wandflucht eingeschnittene Öffnungen lassen hier Tageslicht in den Raum, sodass Blumen und das Licht der Kerzen innen, schemenhaft auch von außen wahrgenommen werden und so die starke Introvertiertheit des Raumes brechen. Die beiden Bereiche Kapelle und Kolumbarium werden nun durch eine differenzierte Neugestaltung des heute überdimensioniert und tot wirkenden Außenbereiches ihrer neuen Widmung entsprechend in das Umfeld des Ortes eingebunden und nutzungsspezifisch neu definiert. Das Kolumbarium und die Kapelle werden über diese Neufassung des Aussenbereiches in einer dem Ort und dem Ritus angemessenen Form erschlossen:

Bartholomäusplatz: Weg der Beisetzung
Um den Kirchturm, an der Straßenecke bildet sich ein unmittelbar an den Stadtraum anschließender Vorplatz, der mit einem großen Lebensbaum in der Mitte einen beschaulichen Ort zum Verweilen anbietet, die Kapelle St. Bartholomäus in seiner neuen Form direkter als bisher mit dem Stadtteil verbindet. Der Besucher wird über eine Rampe und eine leichte Stahlbrücke barrierefrei zu einem neuen, mittigen Portal, und durch dieses zum Ort der Liturgie geführt. Eine zweite Rampe leitet den Besucher vom Nonniweg direkt zum neuen Portal des Kolumbariums. Der LETZTE WEG wird so mit drei um den Turm geführten Rampen von Kapelle zu Kolumbarium deutlich sichtbar in den Stadtgrundriss eingeschrieben.

Projektdaten

Projektdaten Wettbewerb 2011 (2. Preis)