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Kolumbarium Liebfrauenkirche, Dortmund

Ein Kolumbarium schafft eine Bestattungsform mit einer eigenen genuinen Qualität, indem es das einzelne Grab, d. h. das Individuum, in einen Kontext einbindet und darüber den Ausdruck von Gemeinschaft vermittelt.

Das Kolumbarium im Schiff der Liebfrauenkirche soll in diesem Sinne künftig als Nekropole lesbar werden, die neben dem im Hochchor gelegenen, nach Osten hin orientierten Ort der Auferstehungsliturgie, eine eigene zweite Mitte definiert. Im dritten Joch des Hauptschiffes entsteht der Ort der Aussegnung, der als Zentrum über ein Wegesystem, das die Hauptachsen der Architektur aufgreift, mit allen ihn umschießenden Bestattungsbereichen verbunden ist.

Um die Idee einer sinnstiftenden Mitte formal auszubilden, wird - ähnlich wie bei einer Stadt - im Mittelpunkt des Hauses, zunächst symbolisch, ein Brunnen als Zeichen des Lebens angelegt. Eine als plastische Negativform ausgebildete Vertiefung in der Bodenfläche, die Wegebeziehungen bereits andeutet, nimmt zentrisch den historischen Taufstein auf. Als Ort der Taufe und der Aussegnung, als Anfangs- und Endpunkt des Lebensweges ist dies der Fokuspunkt, der die Bestimmung der Liebfrauen-kirche zeichenhaft neu definiert.

Die in dicken, unbehandelten Walzstahlplatten ausgeführte Bodenplastik weist, ähnlich wie dies historische Baptisterien tun, auf die sinnliche Erfahrung des in der Tiefe der Materie angesiedelten Ursprungs allen physischen Seins, auf die Quelle, auf das Wasser hin. Dies verbindet sich über die Materialität mit dem bildlichen Verweis auf das, was den Ursprung und Anlass des Kirchbaues an dieser Stelle in Dortmund ausmachte: dem Erschließen der Kohle unter Tage und der Herstellung von Stahl.

Der Ort der Taufe, das Symbol des Initiationsritus, tritt mit einem weiteren Schwerpunkt, der Osterkerze als Auferstehungssymbol, in einen Sinnbezug. Sie steht unter dem Baldachin, unter dem Triumphbogen und somit zwischen den beiden inhaltlich verschieden definierten Orten des Kolumbariums, um dort erhöht und gerahmt, trotz ihrer geringen Größe, ihrer Bedeutung angemessen zur Wirkung zu kommen. Der bildliche Dialog zwischen Taufstein und Osterkerze soll (insbesondere im Rahmen der Aussegnung) die zyklische Bewegung zwischen Anfang und Ende, Tod und Auferstehung, ins Bewusstsein bringen. Vor der Osterkerze trägt ein Pult das Buch mit den Namen aller hier Beigesetzten.