431-Trauerhallen Frankfurt

Baukastensystem für Frankfurter Trauerhallen

Das Programm der Trauerhallen gliedert diese in einen Funktionstrakt und die Trauerhalle selbst. Um den unterschiedlichen Standorten gerecht werden zu können, sind der jeweiligen Bestimmung entsprechende konzeptuelle Ansätze für beide Teile gewählt worden. Durch die verschiedenen Grundstückszuschnitte ergeben sich zudem an den genannten vier Standorten zwei verschiedene Dispositionen der beiden Gebäudetrakte: In Berkersheim und Rödelheim werden sie linear hintereinander angeordnet, in Hausen und Preungesheim sind sie nebeneinander positioniert. Die Zuwegung führt in allen Situationen direkt auf die Trauerhalle zu, während die dienenden Eingänge möglichst nicht im Blickfeld liegen. Die Baukörper sind schlichte kubische Volumen. Der Funktionstrakt ist ein flaches Volumen mit einer leicht rot-grün schimmernden Fassadenhaut. Die Trauerhalle verbindet sich über das mit Kupferblech verkleidete schalenförmige Dachpro-fil, das im Zuge der Zeit grün wird, zunehmend mit der Vegetation des parkartigen Umfeldes. Die geometrische Dachform liegt auf der einen Seite auf einer vorgefertigten Sichtbetonwand auf. Gegenüber verbindet sich der Innenraum durch eine Verglasung mit dem Außenraum. In Hausen und in Preungesheim ist dieser als Wasserfläche ausgebildet, die durch eine Hecke als ein meditatives Bild gefasst wird. In Berkersheim und Rödelheim wird die Glasmembran durch eine filigrane horizontal geglie-derte Gitterstruktur überlagert, um gegen Sonneneinstrahlung und Blicke abzuschirmen.

A. Funktionsmodule:
Der Funktionsbereich ist ein hoch installiertes, kleinmaßstäbliches Raumgefüge. Die Räume des Programms lassen sich in sinnvollster Weise mit einem System von drei verschiedenen, container-artig genormten Modulen realisieren. Diese werden vorgefertigt, und der jeweiligen Örtlichkeit entsprechender Disposition aufgestellt. Der Herstellungsprozess mit vielen Gewerken verlagert sich so in die Werkstatt, um eine maximale Qualität zu erzielen, und eine baustelenbedingte Beeinträchtigung der Friedhofsruhe sowie die Bauzeit vor Ort zu reduzieren. Ein Sanitärmodul ( A ) fasst die WC´s sowie einen Vorraum mit Putzmittelschrank zusammen. Ein weiteres Modul ( B ) nimmt den hochgedämmten Kühlraum und den dazugehörigen Vor¬raum auf. Das darüber erschlossene dritte Modul ( C ) beinhaltet den Technik- und den Konduktraum.

Die Module sind von qualifizierten Unternehmen hergestellte Einheiten, die als verschweißtes Stahlskellet mit doppellagigen, (gedämmten und mit Dampfsperren versehenen) Fermacell Wänden alle Installationen, feste Ausbauten und Anschlüsse bereits enthalten. Sie werden vor Ort auf Streifenfundamente aufgelegt, gekoppelt und angeschlossen. Die mit einem wein-rotem Flies versehenen Außenflächen werden vor Ort mit geschosshohen, geätzten Glastafeln verkleidet, wodurch ein samtener, transparenter Eindruck entsteht. Dieser Trakt ist mit einem Gründach versehen. Für die Lagerfunktion gibt es ein ebenso gefertigtes, in das Gebäude integriertes Zwischen-modul für einen Abstellraum (siehe Berkersheim), oder alternativ ein U-förmiges Fertigbeton-modul, das als ungedämmter Raum angedockt oder auch frei im Gelände positioniert werden kann (siehe Hausen / Preungesheim oder wie Letzteres ggf. Rödelheim ).

B. Trauerhalle
Die Trauerhalle ist als Holzskellettkonstruktion so konzipiert, dass sie über ihre Balkenkon-struktion als System in den Abmessungen variabel ist, ohne dass sich die Balkendimensionen und die durch sie bestimmte genuine Lichtatmosphäre des Raumes dadurch prinzipiell ändern würde. Die unter zwei Längstträger gehangene winkelförmige Holzbalkenfolge überlagert sich versetzt zueinander, um darüber in der Mittelzone eine stärkere Filterung des von oben einfallenden Lichtes zu bewirken, und so dem Raum eine Mitte zu geben. Die Hallenstruktur ist so nicht statisch optimiert und darüber in Größe und Ausformulierung anpassbar, um auf den Ort und seine Bezüge reagieren zu können. Durch die Form setzt das Oberlicht den Fokusbereich des Raumes in weiches Tageslicht, und gibt dem Raum einen vertikalen Ausdruck. Der zusätzliche seitliche Lichteinfall schafft im Zusammenspiel mit der hellen Raumschale und den Holzbalken eine warme und feierliche Atmosphäre. Ein indirektes Kunstlicht im tropfenförmigen Deckenausschnitt sowie eine Abfolge einfacher Pendelleuchten belichten den Raum bei Bedarf, ohne dass sich das zentrale Lichtthema prinzipiell ändert. Der Raumeindruck wird darüber hinaus durch verschiebbare Holzelemente und einen Stoffvorhang an der Stirnwand des Raumes mit geringem Aufwand gestaltbar. Dahinter befindet sich das Sichtfenster zum Kühlraum sowie, dem gegenüber, eine Lagermöglichkeit für Musikgeräte und Ausstattungsobjekte.

 Als Ingenieurholzbaukonstruktion gewährt die Primärstruktur ein Maß an Vorfertigung, das die Bauzeit und die Anzahl an sinnvollerweise vor Ort auszuführenden Gewerken (Fundamentierung, Zimmerei, Dachdeckung und Fassadenbau ) auf ein Minimum beschränkt. Der Boden ist mit einem ungeschlämmten Travertinboden versehen, der sich bis in den Vorbereich hinauszieht um Patina zu erhalten. Diese, in der Regel nicht ganz ausreichende, überdachte Fläche kann im Bedarfsfall durch handelsübliche mobile Markisen erweitert werden, um sich unter temporärer Ausnutzung der vorgelagerten Verkehrsfläche der gewünschten Größe des Regen- und Sonnenschutzes anzunähern. Alle Außenoberflächen sind aus Materialien gefertigt, die bewusst nach Alterungsverhalten und Robustheit ausgewählt wurden, um über Wartungsfreiheit und Witterungsresistenz ihre Wirtschaftlichkeit zu ziehen. Dennoch ist auch eine stärker unter Kostengesichtspunkten optimierte Materialisierung darstellbar. Grundsätzlich bieten manche Grundstücke nicht ausreichend Fläche, um die gewünschten Programmgrößen vollständig nachzuweisen. Daher sind im Baukasten durch die variable Hallengröße / Vorbereichsgröße, den unterschiedlich auslegbaren Abstellraum, sowie die Markisenlösung Wege aufgezeigt, um in angemessener Form auf Platzmangel über das System reagieren zu können.

Projektdaten

Projektdaten Wettbewerb 2008 (2. Preis)