457-Amtsgericht Erkelenz

Amtsgericht, Erkelenz

Die Architektur des neuen Amtsgerichtes greift Gestaltungslinien der Architektur verschiedener öffentlicher `60er Jahre Bauten´ auf, die, ähnlich wie der Vorgängerbau, das Ortsbild von Erkelenz stark prägen. Es entwickelt im Sinne eines heutigen, auf den Bürger ausgerichteten Selbstverständnisses eine räumlich/gestalterisch sowie konstruktiv/technisch differenzierte Architektur.

Städtebaulich bildet der würfelförmige Baukörper als klare Solitärform einen deutlichen Abschluss der Kölnerstrasse, und gibt dem anschließenden städtischen Platz, der sich nun ganz auf das Gerichtsgebäude bezieht, ein Gesicht. Als filigraner Gitterkörper tritt die Großform mit verschiedenen über die Materialität differenzierten Kleinformen in Dialog, die einzelne Funktionseinheiten beinhalten. Dadurch kommt Licht und Abwechslung in das kompakte Volumen und dessen inhaltliche Zusammenhänge werden lesbar.

 Über einen hohen vertikalen Schlitz öffnet sich das Gebäudevolumen, und gewährt einen Einblick in den Besucherbereich. Seitlich stapeln sich alle Gerichtssäle mit den ihnen vorgelagerten repräsentativen Wartezonen übereinander und haben dort besonders zu Sitzungszeiten freundliche Tageslichtverhältnisse. Sie sind ihrer Bedeutung entsprechend repräsentativ innen wie außen in Eichenholz gehalten. Es ergibt sich eine der Bestimmung angemessene Atmosphäre, die eine zurückhaltende Klarheit und eine angenehme Aufenthaltsqualität vermittelt.

Der Besucherbereich ist über alle Geschosse durch eine großzügige offene Treppe und einen runden Aufzugturm verbunden, um den Rechtsuchenden vom Haupteingang aus auf direktestem Wege sicher zum Verhandlungsort zu führen. Er blickt von hier, durch ein Lamellenfilter beschattet, auf den Vorplatz im Süden. Im Innern des Gebäudes steht dem ein atriumartiger Lichthof gegenüber, der durch eine vertikale Skulptur dem Haus eine gestaltete Mitte gibt.

Um diese Mitte siedeln sich entlang der Gebäudeperipherie die administrativen Flächen an, die über einen Ringflur verbunden und entfluchtet werden. Dem dienen auch ein weiteres internes Treppenhaus und ein zweiter Aufzug (auch Lastenaufzug). Das restliche Volumen des Kernbereiches ist durch Aktenlagerflächen sowie eine schöne Bücherei mit Blick in das Atrium aufgefüllt. Beide Bereiche sind verschiedenen Geschossen zugeordnet. Das Gebäude verfügt neben dem Haupteingang über zwei weitere Zugänge. Einen kleinen, nichtöffentlichen Nebenzugang für autorisierte Angestellte an der Kölnerstrasse. Ein zweiter Eingang liegt an der Westseite neben einem Gebäudevolumen das mit Metallgewebe eingefasst ist. (Es beinhaltet den Fahrradstellplatz, den gesicherten Stellplatz für den Gefangenentransport sowie den die Mülllagerung.)

Der Westeingang gewährt einen Zugang zum Sozialamt, das, unabhängig vom Gericht erschlossen, im 1. OG die nördliche Spange der Nutzfläche belegt. Der Eingang regelt darüber hinaus über den Vorführgang die diskrete und sichere Zuführung der Straftäter zu den Zellen, dem Vernehmungszimmer und dem Strafgerichtsaal. Der ebenfalls im Erdgeschoss angesiedelte Einzelhandel bildet ein eigenständiges, quasi unter den Hauptbaukörper geschobenes gläsernes Volumen. Dieses nimmt als solches die Raumkante der Kölnerstrasse auf und bildet so im Bereich der Geschossüberlagerung eine Loggia, die z.B. auch gastronomisch als geschützter Außenbereich genutzt werden kann. (Café) Der darüber gelöste Versprung der Baufluchten stärkt die Wirkung des Gerichtsgebäudes als eine städtebauliche Dominante, und schafft den Schlusspunkt an der Kölnerstrasse, der nun den urbanen Kontext besser klärt. Im Inneren des Glaskubus dehnt sich die Gewerbefläche auch auf die Untergeschossebene aus. Dies bietet ein interessantes Nutzungspotential auf zwei Ebenen, das (durch gesicherte Entfluchtung und barrierefreie Erschließung) in der Höhe oder der Breite verschiedene interessante Teilungsmöglichkeiten offen hält.

 Auf der Dachfläche des 5-geschossigen Baukörpers befindet sich ein weiteres zum Hauptbaukörper hinzugefügtes kubisches Volumen, das, für die Mitarbeiter bestimmt, den Personalratsraum und den Pausenbereich aufnimmt. Eine zugeordnete Dachterrasse wird durch eine Lamellenstruktur, die sich vertikal als Sonnenschutz bis zum Erdgeschoss fortsetzt, verschattet und räumlich gefasst.