385-Finanzzentrum Epe

Finanzzentrum und medizinisches Zentrum Gronau-Epe

Wettbewerb 1.Preis

Städtebauliches Konzept

Der Kirchplatz ist der räumliche Mittelpunkt von Epe. Eine Aufwertung des Kirchplatzes ist ein wichtiger Baustein zur Stärkung der Ortsmitte. Dem Neubau der Sparkasse kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Der Wettbewerbsbeitrag stellt mit der vorgeschlagenen Neubebauung die städtebaulich notwendige Fassung des Kirchplatzes und der angrenzenden Straßen her. Aus den Bezügen zur Bebauung der Umgebung und deren Anschlüssen ist ein Gebäude entwickelt das sich in Maßstab und Materialität wie selbstverständlich in den für Epe so bedeutsamen Kontext einfügt. Durch seine zeitgemäße Form verweist es gleichzeitig auf die Zukunft und seine besondere Stellung und Nutzung im Stadtgefüge.

Der Sparkassenneubau zeigt rechtwinklig zum Kirchenhauptschiff seine klare und ruhige Hauptfassade zum Kirchplatz. Eine Arkade als ein urbanes Angebot für Eingang und Verweilen ist dem Eingang der Sparkasse und einem Cafe vorgelagert. Am Chor von St. Agatha folgt der gerundete Gebäudekopf des Gebäudes dem geknickten Verlauf des Hindenburgrings und leitet in die Markusstraße über. Eine bogenförmige Gebäuderückwand bildet die Fassung der Markusstraße und stellt einen eleganten Gebäudeabschluß her. Die Fassade des Neubaus zur Gronauerstraße ist ganz leicht aus der Flucht der Gronauerstraße geschwenkt und leitet so den Blick in eine aufgewertete Markusstrasse. Die Gebäudeflucht am Kirchplatz ist dabei in die Flucht der fußläufigen Merschstraße gerückt und bildet aus dieser kommend einen Blickfang und eine räumliche Fassung.

Baukörper
Aus der Maßstäblichkeit der vorhandenen Bebauung der Umgebung ist eine Dreigeschossigeit der Neubebauung entwickelt. Die amorphe Form des Baukörpers stellt klare und eindeutige Übergänge zur vorhandenen Bebauung her. Das Gebäude erhält eine aus gereihten Satteldächern gebildete Dachlandschaft. Zum Kirchplatz zeigt der Neubau drei Giebel. Die beiden gerundeten Gebäudeköpfe werden durch flach geneigte Giebel, die sich aus dem Anschnitt der Satteldächer bilden, betont.

Durch die neugeschaffenen Nutzungs- und Verweilangebote wird die Akzeptanz des Kirchplatzes als öffentlicher Aufenthaltsraum gestärkt. Mit einer Neugestaltung der Fußgängerquerung der Gronauerstraße von der Merschstraße zum Hindenburgring kann die Verknüpfung und Anbindung dieser beiden Bereiche verbessert werden.

Nutzung
Erdgeschoß
Über eine Arkade wird die Sparkasse erschlossen und mit einer sich aus der Arkadenfassade entwickelnden Stele vom Platz signifikant betont. Vom SB Bereich gelangt man in die zentrale Kunden- und Servicehalle. Ihr direkt angegliedert sind die transparenten Beratungsräume übersichtlich angeordnet. Auf der Gebäudesüdseite ist zur Belebung des Kirchplatzes eine gastronomische Nutzung, in Form eines Eiscafes angeordnet. Hierzu gibt es bereits einen Interessenten. Auf der Nordseite wird vom Hindenburgring eine Tiefgarage mit 34 Stellplätzen ( 1.BA.) erschlossen. Mit einem Parksystem in Form von Parkliften könnten zusätzliche Stellplätze angeboten werden. In einem 2. Bauabschnitt kann die Garage erweitert werden.

1./2.Obergeschoß
In den Obergeschossen ist ein neuartiges (Kinder-)Ärzte- und Therapiezentrum konzipiert. An den Gebäudeaußenseiten befinden sich die Behandlungsräume, im Zentrum eine großzügige Halle, die über ein begrüntes Atrium im Zentrum belichtet ist. 101001 Hier befinden sich die Wartezonen und der Empfang. Eingestellte Solitäre gliedern den Raum und bieten Platz für Labor- und Nebenräume. Das Ärztezentrum ist vom Kirchplatz und von der Markusstraße über je ein Treppenhaus zu erreichen. Die Erschließung erfüllt damit auch die brandschutztechnischen Erfordernisse . Zu dem ermöglicht sie eine flexible Splittung in bis zu 4 Einheiten pro Geschoss. Für das Gebäude gibt es bereits 6 Interessenten (3 Ärzte u. 3 Therapeuten) und weitere für den Bauabschnitt 2.

Flexibilität
Wir können alle nicht die Zukunft schauen und damit auch nicht die künftigen Erfordernisse an eine Immobilie vorhersehen. Der Strukturwandel und die damit einhergehende Dynamik der Veränderung lässt jedoch schon jetzt ein hohes Maß an Flexibilität und Veränderung geboten erscheinen. Das Gebäude ist deshalb als Skelettkonstruktion mit nur wenigen Fixpunkten in Form von Stützen und zwei Treppenhäusern konzipiert. Die inneren Wände und die Gebäudetechnik sind flexibel geplant und leicht veränderbar.

Materialisierung / Wirtschaftlichkeit / Energie
Um eine möglichst ökonomische Lösung in der Erstellung des Neubaus zu erhalten ist ein kompaktes Gebäudevolumen in wirtschaftlicher Konstruktionsweise geplant. Das Gebäude hat ein optimiertes Aussenflächen / Volumen - Verhältnis . Die Materialisierung ist dem Ort und der Nutzung entsprechend ausgewählt. Der Ziegel als ortstypischer Baustoff stellt den Bezug zur Umgebung und die gewünschte städtebauliche Homogenität sicher. Ein besonderer Brand der Ziegel in Kombination mit einer Einfärbung und einer vertieften Ausführung der horizontalen Fugen geben dem Gebäude eine besondere Note. Die Fassaden sind als Lochfassaden mit einem hohen Anteil an massiven, wärmespeichernden und hochwärmegedämmten Wänden ausgestattet. Die Fenster sind mit Aluminiumrahmen und einer Dreischeibenverglasung versehen.

Das energetische Konzept nutzt optional die Erdwärme zur Heizung und Kühlung des Gebäudes. Eine Bauteilmassenaktivierung der Betondecken schafft ein behagliches Klima durch Strahlungswärme und –kälte. Eine Lüftung in Kombination mit einem Wärmetauscher und eine tageslichtgesteuerte Beleuchtung runden das innovative Konzept ab. Das Gebäude bietet damit nicht nur einen hohen haustechnischen Komfort sondern macht es in Anlehnung an einen Passivhausstandart zukunftsfähig und betriebskostenoptimiert. Darüber hinaus ist der Neubau der Sparkasse im Hinblick auf den Faciltymanagmentbereich wartungsarm und unterhaltskostenoptimiert geplant.

Variante Altbau
Mit einem Umbau des vorhandenen Sparkassengebäudes kann das Potential des Ortes nicht ausgeschöpft werden. Deshalb stellt es nicht nur städtebaulich und architektonisch, sondern auch programmatisch und wirtschaftlich keine adäquate Alternative zu einem Neubau dar. Zudem hat die Altbauvariante nicht die Möglichkeit ein Stellplatzangebot herzustellen.

2.Bauabschnitt
In einem zweiten Bauabschnitt wird eine Arrondierung des stadtzentralen Bereiches mit einer Neufassung der Gronauerstrasse und einer Bebauung im Innenbereich vorgeschlagen. Beide werden durch ein Glasdach miteinander verbunden. Es entsteht eine Vernetzung und Verknüpfung aller Fußgängerströme und damit eine große Aufwertung des gesamten Grundstücksbereiches. Diese lässt an dieser stadtzentralen Stelle eine attraktive Entwicklung von Geschäften und Gastronomie mit einer hohen Verweilqualität in Kombination mit Büros, Praxen, einem therapeutischen Zentrum oder Wohnen in den Obergeschossen zu. Die zweigeschossigen Baukörper sind aus der Umgebung entwickelt und vermitteln zwischen dem dreigeschossigen Sparkassenneubau und den eingeschossigen, denkmalgeschützten Gebäuden. Die Dachstruktur, Materialisierung und technische Konzeption des ersten Bauabschnitts werden weitergeführt.

Projektdaten

Bauherr Sparkasse Gronau
Leistungsumfang LPH 1-5 HOAI, LPH 8 HOAI künstlerische Oberbauleitung
Projektdaten NGF 2.836 m²
BGF 3.260 m²
BRI 12.050 m³
Wettbewerb 1.Preis 04/2006
Planungsbeginn 01/2007
Baubeginn 10/2007
Fertigstellung 12/2008